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Wohnhaus Jäcklein

Leben ohne Lüftlmalerei
Ab in den Stall: In Volkach wird ein alter Hof zum Wohnmodell

Längs der Erlachhöfe an der Mainschleife bei Volkach erstreckt sich fruchtbares Ackerland. So ist bei ihnen alles eingerichtet, als sollten die Bauern hinter der Scheuer gleich mitten hinein in die Flur gelangen können. Die kleine Volkacher Kolonie von sechs Höfen wurde in den beginnenden sechziger Jahr en des vorigen Jahrhunderts für Aussiedlerfamilien des Weinbaustädtchen Volkach begründet. Auf der grünen Wiese sahen Agrarbürokraten damals die Zukunft oder vielleicht schon die letzte Zuflucht der Landwirtschaft. Erschlossen sind die Erlachhöfe, bestehend aus jeweils einem großen Stall- und Scheunengebäude und einem im rechten Winkel dazugestellten Wohnhaus, von Osten her. Nach Süden wurde das Hofareal später meist durch eine Maschinenhalle und eine Holzlege begrenzt. Doch ob Getreide-, Hackfrucht- oder Obstanbau, ob Schweine- oder Bullenmast – die Tage einer wettbewerbsfähigen Landwirtschaft waren Ende der sechziger Jahre auch in Franken gezählt, von den sechs Höfen überlebten nur die beiden, die sich sofort auf Weinbau spezialisiert hatten.

So widersetzte sich der Architekt Reinhold Jäcklein schon als junger Mann dem Wunsch seiner hier ansässigen Familie, er solle Landwirt werden. Er absolvierte eine Zimmererlehre und ein Baubiologiestudium. In Kassel kreuzte er später mit einem alten Zirkuswohnwagen auf, um dort Architektur zu studieren. Die mobile Studentenbude ist längst im Garten des Erlachhofs Nummer 5 abgestellt. Denn mittlerweile hat Jäcklein mit seinem Büro in der Region mehrfach einfühlsam, funktional und kostengünstig zum Erhalt historischer Bausubstanz beigetragen oder Unterfranken mit bemerkenswerten Neubauten konfrontiert.

Im Sommer des vergangenen Jahres wurden die Sanierungs-, Umbau- und Ergänzungsmaßnahmen am historischen Stall und Scheunengebäude des Jäcklein-Hofs abgeschlossen und die Außenbereiche gartenplanerisch überholt. Das Ergebnis: Hof und Garten tragen deutlich die Handschrift eines Architekten, der die Agrar- und Baukultur seiner Region von Kindesbeinen an kennt. In vier Bauabschnitten hat Jäcklein die Scheune mit den Stallungen so umgerüstet , dass heute Arbeiten und Wohnen unter einem großen Satteldach möglich sind. Im nördlichen Scheunenabschnitt wurde, den benachbarten Weinbergen zugewandt , auf zwei Ebenen das Architekturbüro eingerichtet.

Der Architekt arbeitet seither im vormaligen Schweinestall und auf dem Getreidemahlboden. Die Wohnbereiche schließen nach Süden über der großen Scheuneneinfahrt an, Büro und Wohnung sind über alle Etagen jeweils mit innenliegenden Treppen erschlossen. Sie sollten aber auch als getrennte Nutzungsbereiche unter einem Dach gekennzeichnet bleiben. Daher sind die Außentreppen zu den Wohn – und Büroflächen im Obergeschoß frei neben die Ostflanke des Gebäudes gestellt.

Das Mauerwerk im früheren Schweine- und Kuhstall musste von Grund auf saniert werden und ist nun weiß geschlemmt, so dass sich die eingefügte stählerne Tragkonstruktion und die von der Grundmauer abgesetzte Bodenplatte mit Schotterfuge wie eine Plastik im Raum präsentieren.Die daraufgesetzte Holzskelettkonstruktion der Scheune dagegen wurde vollständig erhalten. An den äußeren Gebäudeabschnitten, die ursprünglich nur verbrettert waren, sind nun farbige Dreischichtplatten oder Lärchenholzverschalungen angebracht. Alle Bodenflächen wurden mit Schieferplatten oder Eichendielen aufgedoppelt. In den Obergeschossen sind die neu eingeschnittenen Fensteröffnungen in Holz ausgeführt, und auch bei der Anordnung und den Formaten der neuen Fenster achtete der Architekt auf sichtliche Scheidung: der funktionale Charakter einer Scheune mit Schiebetor wird durch die liegend gesetzten Fensteröffnungen und die flächige Außenverkleidung gewahrt. Verantwortungsbewusste Architekten , so Jäcklein, können vermeintlich nutzlos gewordenen Nutzbauten wie eben einer Scheune neue Aufgaben einschreiben, ohne die angestammten Charakteristika zu tilgen oder mit modischem Stil-Makeup zu kaschieren. Sein Bau ist der beste Beweis.

Projektdaten

Fotos:
Stefan Meyer, Berlin
Chris Saile, Würzburg (Detail Tor)

Text:
Rüdiger Klein, Bamberg

Auszeichnungen:
Architektourbus des BDA 2006

Veröffentlichungen:
FAZ
4 Wände, Juni 2007