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Realschule an der Mainschleife Ochsenfurt

Wenn ein Mammutprojekt am Ende hell und leicht erscheint-
Sanierung und Erweiterung der Realschule Ochsenfurt

 

Die Sanierung der Realschule am Maindreieck in Ochsenfurt und die Neubaumaßnahme für diese Einrichtung des Landkreises Würzburg forderten drei Jahre lang die volle Aufmerksamkeit, das umfassende technische Know-how und alle planerische Kreativität des zuständigen Projektteams vom Architektur Büro Jäcklein. Im Jahre 2009 hatte das Büro für seine Planungen zur Sanierung des Bestands

und der Errichtung eines Neubaus den Zuschlag von der Bauherrschaft bekommen. 1965 war die Realschule in die ersten Gebäude am Waldhang südlich der Bahnlinie Würzburg – Nürnberg eingezogen. Knapp 20 Jahre später musste die an der Pestalozzistraße gelegene Schulanlage, sie ist zwischen Lindhardstraße im Norden und Hübnerweg im Süden eingespannt, nach Osten um einen Klassentrakt erweitert werden.

Zuletzt, im neuen Jahrtausend, erwies sich das gesamte Schulhaus als sanierungsbedürftig, weil es weder bei der Ausstattung und Organisation der Klassen- und Fachräume noch hinsichtlich des Energiekonzeptes oder beim Brandschutz den zwischenzeitlich für Schulgebäude geltenden Standards entsprach. Türen, Fenster und Außenhülle mussten zudem erneuert und energetisch ertüchtigt werden.
Das Architektur Büro Jäcklein unternahm die Sanierungs- und Neubaumaßnahmen in drei großen Bauabschnitten.
Zunächst wurde, nachdem man sich mit der Bauherrschaft auf ein durchgängiges Raum- und Farbkonzept geeinigt hatte, der älteste Bauabschnitt in Stand gesetzt und neu geordnet. Als vorteilhaft sollte sich bei dieser Maßnahme die Umstellung der Schule auf das Fachraumprinzip erweisen. Die einzelnen Klassen haben da zwar weiterhin ihr festes Klassenzimmer, verlassen dieses aber immer wieder, um sich in Fachräumen zum Fachunterricht in den Sprachen ebenso wie beispielsweise auch in den naturwissenschaftlichen oder den hauswirtschaftlichen Fächern einzufinden.

 

Da die überkommene Bausubstanz jedoch in den Zeiten des sogenannten Kalten Krieges als Notkrankenhaus fungieren sollte und deshalb besonders die Flure sehr großzügig dimensioniert wurden, galt es auch die für eine Schule unverhältnismäßig breiten Etageflure überschaubar zu strukturieren und räumlich intensiver zu nutzen, als dies der Fall hätte sein können, hätte man diese Flure weiterhin nur als Verkehrsflächen verstanden.

Die Flurzonen wurden durch verschiedenfarbige Böden in Ruhe- und Bewegungsbereiche geteilt. Ein maigrüner Linoleumbelag ist jetzt den Klassenzimmer- und Fachraum-Vorzonen zugewiesen, sandfarbiges Linoleum wurde auf den Verkehrsflächen verlegt. Die Gestaltung der Deckenspiegel erfolgte im Spiegelverhältnis zum Bodenbelag. Abgesenkt sind die grün gestrichenen Deckenbereiche über den Ruhezonen und Ruheinseln in den Fluren, reinweiß gehalten sind die Deckensegmente über den Bewegungsbereichen. Türen und Türlaibungen sind ebenso wie Fenster und Fensterlaibungen reinweiß gehalten, um die tiefen und weiten Flure aufzulichten.

In Reichweite der Klassenräume wurden zudem Medienkuben errichtet, die einerseits ausgesprochen funktional für die Unterrichtsvorbereitung und –gestaltung sind und andererseits die Gangfluchten auch in der Vertikalen zonieren helfen.

Die große Zufriedenheit der Schulfamilie mit den erneuerten und neu gestalteten Räumen lässt darauf schließen, dass das Planerteam die vorgegebenen Baulichkeiten, die zunächst nicht sehr vorteilhaft für eine zwingende Überplanung erscheinen mochten, zu einem Vorteil für die Nutzer des Bauwerks drehen konnten.

Auch der Neubau der Eingangs- und Pausenhalle, die zwischen Turn- und Schwimmhalle und den sanierten Ursprungsbau gesetzt ist, durfte als knifflige Herausforderung schlechthin gelten, die freilich souverän gemeistert wurde.
Für die Realschule am Maindreieck wurde mit einer großzügig zur Pestalozzistraße hinabfließenden Freitreppe ein ansprechendes und anziehendes Schulvorfeld geschaffen.
Und was im Außenbereich gelungen ist, sollte sich hinter der kupferrot gerahmten Eingangszone natürlich möglichst selbstverständlich und selbsterklärend fortsetzen.

Ein deutlicher Geländesprung musste mit der neuen Eingangs- und Pausenhalle ebenso überwunden werden, wie die Vernetzung der Klassentrakte mit der nördlich an die Pausenhalle angrenzende Turn- und Schwimmhalle und dem großen Musiksaal gewährleistet werden sollte.
Die verschiedenen Ebenen werden nun durch eine Brücke, die den Aulabereich parallel zum Ostausgang der Pausenhalle quert, miteinander verbunden.
Die Bibliothek wurde wie ein riesiger Oberlichtfensterkasten über dem in die Hauptfassade hineingesteckten Haupteingang eingepasst.

Der Musiksaal bietet sich wie ein Konzertsaal dar und ihm schräg gegenüber erhebt sich über einer aus dem ursprünglichen Treppensockel gewonnenen Altankonstruktion das Schüler-Café.
Eine großzügige Treppenanlage durchmisst die Aula in einer Achse von Nord nach Süd, darüber läuft parallel ein Oberlicht und die Handläufe wurden in wohlgesetzten Abständen auf der Treppe freigestellt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Keine beengte Lehranstalt betritt man, wenn man in die Realschule am Maindreieck eintritt, sondern eine Bildungseinrichtung, die ihre „Kundschaft“ mit Offenheit, Transparenz und sachlicher Eleganz empfängt.

Projektdaten

Bauherr:
Landkreis Würzburg

Nutzfläche Umbau: 8.800m²

Bruttorauminhalt Umbau: 27.550m³

Nutzfläche Neubau: 1.140m²

Bruttorauminhalt Neubau: 5.500m³

Mitarbeit:
Annette Schiemann
Stephan Hofmann
Christine Bolz-Rügamer
Andreas Schmitt
Udo Kanter
Anna Franz

Freiflächenplanung:
Kaiser-Juritza Landschaftsarchitekten

Projektsteuerung:
Guntau und Kunz

Bauzeit in Abschnitten:
August 2009 bis September 2012

Fotos:
Stefan Meyer, Berlin
Christoph Saile, Würzburg

Text: Rüdiger Klein, Bamberg